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Stadtporträt: Doha gibt sich nur mit dem Besten vom Besten zufrieden

Langsam, aber sicher nimmt das riesige Lusail Iconic Stadion Gestalt an. 2022 wird in diesem 86.000 Zuschauer fassenden Stadion die Eröffnungsfeier (und das Endspiel) der Fußballweltmeisterschaft stattfinden. Hier hat man wirklich nur das Beste vom Besten geplant: ein verschließbares Dach, modernste umweltfreundliche Klimatechnologie, ein Wassergraben sowie überdachte Parkplätze mit integrierten Solaranlagen. Das ist auch eine gute Gelegenheit, um sich die schnell wachsende Metropole Doha näher anzusehen, in der das neue Stadion entsteht. Doha, das lange lediglich als kleines Geschwisterchen von Abu Dhabi und Dubai galt, wächst schnell und wird die beiden vielleicht schon bald überragen!
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Rundum intelligent - In vielerlei Hinsicht basiert ein Smart-City-Konzept lediglich auf guter Stadtplanung, die sowohl Fortschritte in den digitalen Technologien als auch neue Denkansätze für uralte urbane Konzepte wie Beziehungen, Gemeinschaft, Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein, demokratische Beteiligung, Good Governance und Transparenz berücksichtigt.
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Erstellt am 30.01.2019

Doha – die dynamische Hauptstadt eines dynamischen Landes

Das Lusail Iconic Stadion und viele andere Bauwerke sprießen in Vorbereitung auf die WM 2022 aus dem Boden. Doch viele der umfangreichen Bauarbeiten finden auch einfach im Zuge der dynamischen Entwicklung des winzigen Staates Katar statt, dessen Hauptstadt Doha ist.

Laut dem IWF und der Weltbank ist Katar pro Kopf gerechnet das reichste Land der Welt. Während der vorhandene Reichtum die Entwicklung des Landes vorantreibt, wird der Staat von einer atemberaubenden Vision angetrieben: Jeder Aspekt des nationalen Lebens soll verbessert werden, während das Land sich selbst eine Nische als Anlaufstelle für internationale Gäste schafft.

Doha steht im Mittelpunkt der Entwicklungsvorhaben von Katar.

Khalifa Stadium

Das Fundament für Soft Power steht

Kunst und Kultur haben in dieser fortlaufenden Entwicklung oberste Priorität. Schon kurz nach seiner Eröffnung im Jahr 2008 erreichte das Museum of Islamic Art Kultstatus. Das war teilweise der Persönlichkeit geschuldet, die es entworfen hat. Der weltweit bekannte Architekt I.M. Pei stellte einmal mehr unter Beweis, dass er imstande war, ein wahrhaftiges Meisterwerk zu erschaffen – und zwar in Form eines gebührenden Aufbewahrungsorts für die weltweit größte Sammlung islamischer Kunst.

Ein weiteres Beispiel ist das neue National Museum of Qatar. Jean Nouvel wurde von den Blütenblättern der Wüstenrose inspiriert und erschuf daraufhin diesen futuristischen Komplex von gigantischen, ineinandergreifenden Scheiben. Und Alejandro Aravena, Gewinner des Pritzker-Architekturpreises, entwirft „The Art Mill“, das neue Museum für zeitgenössische Kunst.

Wie vielleicht auffallen wird, sind viele Gebäude in Doha Werke von weltberühmten „Stararchitekten“. Das beeindruckende Qatar National Archive wurde zum Beispiel von Allies and Morrison gestaltet, und die atemberaubende Qatari National Library ist von Rem Koolhaas von OMA entworfen worden.

Aufbau der Infrastruktur – ein Megaprojekt auf einmal

Viele der bereits erwähnten Entwicklungen sind gigantisch und sehr modern. Aber so ist das in Doha – und bei so vielen Projekten. Man nehme beispielsweise die Hamad Medical City. Der 227.000 Quadratmeter große Komplex, der im Jahr 2017 eröffnet wurde, umfasst drei Krankenhäuser und ein Forschungszentrum.

Dann wäre da auch noch das umfangreiche und ehrgeizige Projekt der „Education City“, das 1997 gestartet wurde. Sie erstreckt sich mittlerweile über 14 Quadratkilometer und umfasst verschiedene Bildungseinrichtungen, von Grundschulen über Ausbildungsstätten für Postdoktoranden bis hin zu reinen Forschungseinrichtungen. Außerdem finden sich hier Ableger vieler namhafter Universitäten wie Georgetown University, HEC Paris, Northwestern University, Texas A&M University, University College London und Cornell University.

In Doha findet man auch eine beeindruckende Anzahl von Megaprojekten aus anderen Bereichen, die zum Teil noch im Bau sind. Dazu gehören das Wasserreservoir-Megaprojekt und das noch laufende Bauprojekt „Sharq Crossing“, bei dem nach den Plänen von Stararchitekt Santiago Calatrava drei Brücken durch Unterwassertunnel verbunden werden sollen.

 
Doha

Der Bau einer Kette von fünf Megareservoirs, die sich von den Meereswasserentsalzungsanlagen in Doha bis hin zu anderen urbanen Zentren im Norden ziehen, nähert sich dem Ende. Jedes Reservoir fasst knapp 400 Millionen Liter Wasser. Zusammen bilden sie das größte Reservoirsystem der Welt.

Aufbau von Beziehungen – lokale Mobilität und globale Konnektivität

Viele der Megaprojekte drehen sich um Mobilität und Verkehr – ob zu Land, zu Wasser oder in der Luft. Derzeit entsteht ein umfangreiches städtisches Schienennetz, zusammen mit einem Schnellbussystem (Bus Rapid Transit, BRT) und der lang ersehnten Doha Metro. Diese wird sich schließlich mit vier Linien und fast 100 Stationen, einschließlich des Knotenpunkts Msheireb, über 300 Kilometer erstrecken.

Der Hamad International Airport, der noch keine fünf Jahre alt ist, muss bereits seine Kapazitäten aufstocken, um mit dem wachsenden Fluggastaufkommen mithalten zu können – momentan liegt es bei 40.000.000 Fluggästen pro Jahr. Um diesen die Fortbewegung innerhalb des gigantischen Flughafens zu erleichtern, hat der Mobilitätsexperte thyssenkrupp Elevator fast 400 Aufzüge, Fahrtreppen und Fahrsteige installiert. Viele Passagiere reisen verständlicherweise mit der nationalen Fluggesellschaft Qatar Airways, die 2017 zur Airline des Jahres gekürt wurde.

Südlich von Doha liegt der ausufernde, 26 Quadratkilometer große Hamad Port, das weltweit größten Hafenprojekt „auf der grünen Wiese“. Seine Eröffnung wurde 2017 gefeiert. Nördlich von Doha liegen der Ras Laffan Port, der größte künstlich angelegte Hafen weltweit, sowie die allererste LNG-Exporteinrichtung der Erde.

Aufbau von Popularität – WM 2022

Das Megaprojekt schlechthin in Doha, das alle im Kopf haben, sind aber definitiv die Bauarbeiten, die im Zuge der Vorbereitung auf die WM 2022 in Katar stattfinden. Über das ganze Land verteilt werden mindestens sieben neue WM-Stadien errichtet.

Natürlich werden viele von ihnen wieder von Stararchitekten entworfen, darunter das Al Wakrah Stadion (Zaha Hadid Architects). Viele dieser Bauwerke werden so konstruiert, dass 2022 ein leichter Übergang zu neuen für sie vorbestimmten Nutzungszwecken ermöglicht wird. Das Ras Abu Aboud Stadion (Fenwick Iribarren Architects) beispielsweise wird aus modifizierten Schiffscontainern gebaut, damit das gesamte Stadion nach der Weltmeisterschaft ganz leicht demontiert und an einem anderen Standort wieder aufgebaut werden kann.

Im Falle eines Stadions entsteht sogar gleichzeitig ein ganz neuer Vorort von Doha, in dem 250.000 Einwohner leben sollen. Das Greenfield-Projekt „Lusail City“, das 45 Milliarden US-Dollar kostet und sich über eine Fläche von 38 Quadratkilometern erstreckt, wird hochmoderne smarte und nachhaltige Technologien integrieren.

Das Lusail Iconic Stadion bildet das Herzstück dieses urbanen Megaprojekts. Das neue Stadion mit einem Dach, das über dem Stadion zu schweben scheint, wird so gebaut, dass alle Zuschauer eine unbehinderte Sicht auf das Spielfeld genießen können, und mit aktuellsten Umwelttechnologien ausgestattet, die trotz sengender Hitze draußen für ein angenehmes Klima im Inneren des Stadions sorgen. Hochmoderne Mobilitätslösungen von thyssenkrupp Elevator helfen den aufgeregten Sportfans, schnell zu ihren Sitzplätzen zu gelangen.

Baue es, und sie werden kommen

In dieser Oase der Hochkultur werden auch wichtige diplomatische und politische Veranstaltungen ausgerichtet, wie etwa die Doha-Runde der Welthandelsorganisation (World Trade Organization, WTO) und die UN-Klimakonferenz im Jahr 2012. Des Weiteren ist sie die Heimat einer bedeutenden internationalen Nachrichtenorganisation, nämlich des staatlichen Senders Al Jazeera.

All das zeigt uns, dass Doha sich in der Endrunde als führende globale Stadt durchsetzen möchte. Unter die Finalisten hat Doha es aber auf jeden Fall schon einmal wohlverdient geschafft.