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Wie Fahrtreppen zum absoluten Muss für moderne Städte wurden

Hundert Jahre, bevor „Silicon Valley“ ein geläufiger Begriff war, wurde im Stadtteil Brooklyn in New York mit einer bahnbrechenden Innovation Geschichte geschrieben. Um die Wende zum 20. Jahrhundert wurde auf Coney Island eine unglaubliche Erfindung vorgestellt, die unsere Art der Fortbewegung weltweit revolutionieren sollte: die erste Rolltreppe. Ob gewölbt oder spiralförmig, ob im Freien oder außergewöhnlich lang: Das allgegenwärtige, für uns heute ganz selbstverständliche Fortbewegungsmittel hat eine faszinierende Geschichte hinter sich und ist ein Paradebeispiel für frühe technologische Disruption. URBAN HUB blickt auf einige vergangene Höhepunkte in der Historie der Rolltreppe sowie einige Neuerungen, die bald auch bei einer Fahrtreppe in Ihrer Nähe zu finden sein könnten.
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Rundum intelligent - In vielerlei Hinsicht basiert ein Smart-City-Konzept lediglich auf guter Stadtplanung, die sowohl Fortschritte in den digitalen Technologien als auch neue Denkansätze für uralte urbane Konzepte wie Beziehungen, Gemeinschaft, Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein, demokratische Beteiligung, Good Governance und Transparenz berücksichtigt.
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Erstellt am 26.09.2018

Disruption im Laufe der Geschichte

Seit sich 1896 auf Coney Island die ersten mutigen Tester zögerlich auf den ersten Rolltreppen-Prototyp von Jesse Reno wagten, haben die Effizienz, Flexibilität und Langlebigkeit von Fahrtreppen die Art, wie wir uns in urbanen Räumen fortbewegen, von Grund auf verändert.

Heute haben Fahrtreppen großen Anteil daran, dass unsere Verbraucherwirtschaften reibungslos funktionieren. Eine defekte Rolltreppe kann dazu führen, dass wir einen Zug oder Geschäftstermin verpassen oder dass Läden in den oberen Etagen eines Einkaufszentrums wichtiger Umsatz ausbleibt, wie Studien gezeigt haben.

Die Zahlen sprechen für sich. Laut dem Branchenverband National Elevator Industry befördert eine durchschnittliche Fahrtreppe heute 150 Mal mehr Fahrgäste als ein herkömmlicher Aufzug. Ja, Sie haben richtig gelesen: Während ein normaler Aufzug rund 20.000 Personen pro Jahr transportiert, befördert eine Rolltreppe jedes Jahr im Durchschnitt mehr als 3 Millionen Personen.

Aller Anfang ist schwer

Wie bei jeder bedeutenden Innovation galt es auch im Fall der Fahrtreppe weit mehr Herausforderungen zu meistern, als sich nur die Patentrechte zu sichern, um die Erfindung der Rolltreppe als alltägliches Fortbewegungsmittel zu etablieren. Die Menschen dazu zu bringen, sich mit der Idee einer sich fortbewegenden Stufenkette anzufreunden, erforderte ein ganzes Stück Arbeit.

Die erste Person, die von Renos Fahrtreppen-Prototyp auf Coney Island befördert wurde, musste wortwörtlich angestoßen werden. Einige der Fahrgäste, die 1898 die erste Fahrtreppe Englands im Kaufhaus Harrods in London testeten, klagten Berichten zufolge während der Fahrt über Schwindel, andere wurden sogar bewusstlos und mussten von Verkaufsmitarbeitern mithilfe von „Riechsalz und Cognac“ wiederbelebt werden.

Die nächste Stufe

Es dauerte nicht lange, bis die skeptischen Massen von der Vielseitigkeit, Nützlichkeit und Benutzerfreundlichkeit von Rolltreppen überzeugt waren. Nachdem im Jahr 1900 auf der Weltausstellung in Paris ein funktionierendes Modell vorgestellt und als Hilfsmittel für die Fortbewegung zu Fuß angepriesen worden war, sprach man auf der Veranstaltung über nichts anderes mehr.

Rolltreppen kamen immer häufiger zum Einsatz, und plötzlich wollte jeder ein Stück vom Patentkuchen abhaben. Investoren suchten immer wieder nach neuen Typen von Rolltreppen, jeder fantastischer als der nächste. Hersteller, die um Marktanteile konkurrierten, warteten mit neuen Variationen wie gewölbten Rolltreppen und den „Motorstairs“, „Moving Stairs“ und „Electric Stairways“ auf.

Coney Island

Rolltreppen von heute und morgen

Seit den ersten großen Entwicklungsfortschritten haben sich Fahrtreppen enorm weiterentwickelt, und in einigen Fällen spiegeln sie die Ziele der ersten Prototypen wider. Sie wurden aus praktischen Gründen für unterschiedliche Umgebungen maßgeschneidert und auf innovative Art und Weise installiert, wie zum Beispiel die besagte spiralförmig laufende Rolltreppe, die im New World Daimaru Department Store in Shanghai alle Blicke auf sich zieht.

Die längste Fahrtreppe von thyssenkrupp führt zur U-Bahn-Station Okruzhnaya in Russland und musste zwangsläufig unterhalb der Moskwa und den angrenzenden Sumpfböden errichtet werden. Ohne diese Rolltreppe müssten die U-Bahn-Fahrgäste fast 300 Stufen hinaufsteigen, um zum Ausgang zu gelangen – ein echtes urbanes Workout!

Moderne Rolltreppen sind ein Vorbild für optimierte Energieeffizienz und Zuverlässigkeit. Dank reduziertem Energieverbrauch, vorbeugender Instandhaltung und LED-Beleuchtung, die Modelle wie Victoria bieten, sind Fahrtreppen heute sicherer – und weniger störungsanfällig – als je zuvor.

Nicht zuletzt ist da auch noch ACCEL, ein anderes spannendes Mittel zur Personenbeförderung, das ein hohes Maß an Effizienz und Flexibilität bietet und in den verschiedensten urbanen Räumen und Gebäuden eingesetzt werden kann, um die zu Fuß zurückzulegenden Strecken zu verkürzen.

Die große Debatte – wie verhält man sich auf einer Rolltreppe richtig?

In Städten rund um den Globus lassen sich unterschiedliche Verhaltensmuster auf einer Fahrtreppe beobachten. Gibt es überhaupt einen richtigen oder falschen Weg? Wenn Sie als Mutter oder Vater mit ihrem kleinen Kind unterwegs sind, steht natürlich Sicherheit für Sie an erster Stelle, und Sie nehmen wahrscheinlich instinktiv Ihr Kind an die Hand.

Weit verbreitet ist aber auch das Motto „Rechts stehen, links gehen“. Fahrtreppentechniker weisen jedoch darauf hin, dass die Abnutzung von Rolltreppen in den meisten Fällen durch eine ungleichmäßige Gewichtverteilung bedingt ist. Zudem möchten die meisten Menschen stehen bleiben, und wenn sie auf beiden Seiten der Fahrtreppe stehen würden, könnte die Beförderungskapazität um 30 Prozent erhöht werden.

Gewohnheiten lassen sich nur schwer ändern, besonders weil viele Menschen glauben, es sei unhöflich, links auf der Fahrtreppe zu stehen. Kampagnen in London, Nanjing und Japan haben es bisher nicht geschafft, das Verhalten der Fahrgäste auf Rolltreppen zu beeinflussen. Vielleicht ist eine neue Innovation oder eine neue Funktion in Planung!

Diese öffentliche Bekanntmachung in den 1970er-Jahren in Großbritannien hat plötzlich eine Generation hervorgebracht, die beim Fahren auf Rolltreppen brav den „Stillstehen“-Ansatz verfolgt. Seit damals haben sich die Sicherheitsmerkmale von Fahrtreppen erheblich gebessert.

Auf die nächsten 125 Jahre

Fahrtreppen sind heute aus dem städtischen Leben nicht mehr wegzudenken, weshalb leicht vergessen wird, dass es anfangs einiger Nachhilfe bedurfte, bis die Technologie im Alltag akzeptiert wurde. Wenn wir jetzt, 125 Jahre später, auf die Historie der Rolltreppe zurückblicken, erweist sich die Erfindung als großer Gewinn für das urbane Leben und spricht für unsere Fähigkeit zur Veränderung.

 
Die Rolltreppe vom Zeche Zollverein

Die Rolltreppe vom Zeche Zollverein

Credits:

Coney Island, taken from flickr.com; image credits go to Internet Archive Book Images