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Smart City 3.0 – Fragen Sie Barcelona nach der nächsten Generation von Smart City.

Die Stadt am Mittelmeer gehört schon lange zu den Vorreitern der Smart-City-Bewegung. Sie findet sich immer wieder auf Platz 1 – und meist unter den Top 10 – der führenden Kommunen weltweit wieder und ist Teil einer Elitegruppe für intelligente Stadtplanung, die auch Städte wie Singapur, Wien, San Francisco und Kopenhagen umfasst.

Jetzt ist Barcelona unter einer Handvoll von Smart Cities, die den Top-Down- und Bottom-Up-Ansatz urbaner Digitalisierung miteinander verbinden und kühn das entwickeln, was manche Smart City 3.0 nennen.

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Rundum intelligent - In vielerlei Hinsicht basiert ein Smart-City-Konzept lediglich auf guter Stadtplanung, die sowohl Fortschritte in den digitalen Technologien als auch neue Denkansätze für uralte urbane Konzepte wie Beziehungen, Gemeinschaft, Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein, demokratische Beteiligung, Good Governance und Transparenz berücksichtigt.
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Barcelona – aufbauen auf Erfolgen

Wichtiger Bestandteil einer Smart City ist der Einsatz neuer digitaler Technologien sowie des Internets der Dinge (IoT), um kommunale Abläufe zum Nutzen der Bürger zu optimieren. Barcelona verfügt in diesem Bereich über eine gut dokumentierte Geschichte und integriert heute intelligente Sensoren sowie Big-Data-Analysen in verschiedenste Aspekte, von der Parkplatzbewirtschaftung und dem Verkehrsmanagement über die Müllabfuhr bis hin zur Verwaltung der Luftqualität und Bewässerung von Grünanlagen.

Letztendlich ist eine Smart City jedoch mehr Weg als Ziel. Darum hat die Stadt im Anschluss an zahllose Initiativen und viel Lob entschieden, dass die Zeit reif ist für eine Smart City der nächsten Generation.

Superblocks machen Straßen in Barcelona lebendig.

Die Evolution der Smart City

Zwar ist das Konzept der Smart City noch relativ neu, doch gibt es bereits verschiedene Entwicklungsstufen. Stufe 1.0 ist gekennzeichnet durch eine technologisch ausgerichtete Entscheidungsfindung im Top-Down-Ansatz. Gute Beispiele dafür sind Städte wie Songdo (Südkorea).

Stufe 2.0 orientiert sich stärker an einem Bottom-Up-Ansatz, bei dem unter Beachtung der Bedürfnisse von Bürgern und Politikern Technologien ausgewählt werden, die realen Anforderungen gerecht werden. Ein Beispiel dafür ist Madrid.

Smart City 3.0 stellt den Versuch dar, Bürgerbeteiligung eng mit Behördenzielen und neuen Technologien zu verknüpfen. Francesca Bria, Chief Technology Officer (CTO) der Stadt Barcelona, setzt auf eine „Strategie für digitale Souveränität“. Sie meint, dass eine gerechte Methode zur Einführung neuer Lösungen darin besteht, die lokale Bevölkerung in die Entwicklung einzubeziehen und Bürgern zu zeigen, wie Technologie ihre Lebensqualität verbessern kann.

 

Francesca Bria ist Chief Technology Officer der Stadt Barcelona. Sehen Sie, wie sie die neuen Ideen hinter der weiteren Verschiebung der Grenzen der Smart City erklärt.

Daten, für Bürger „on demand“ verfügbar

Dabei hat Barcelona zwei Wege eingeschlagen. Zum einen wurde eine neue Dateninfrastruktur entwickelt, bestehend aus drei Komponenten: Sentilo, einer Open-Source-basierten Datenerfassungs- und Sensorplattform; CityOS, einer anderen Open-Source-Plattform zur Analyse von Daten; und verschiedenen Service-Apps auf der UI-Ebene, die den Zugriff auf die Daten erleichtern – und zwar auf sämtliche Daten.

Zum anderen dient diese integrierte Kontrolle zur Demokratisierung der Daten. Die neue Plattform und alle darin enthaltenen Daten gehören zum Beispiel der Stadt. Sie können von Bürgern, Privatunternehmen und anderen Interessenten genutzt werden; Stadt und Einwohner bleiben jedoch die wahren Eigentümer und entscheiden über Zugriff, Datenschutz usw.

Eine Plattform zur Entwicklung von Lösungen

Der Schlüssel zur digitalen Demokratisierung besteht darin, Bürgern Möglichkeiten zum Testen und Ausprobieren der jeweiligen Technologien zu bieten. Wenn Bürger mehr technologische Kompetenz besitzen, so die Theorie, verstehen sie besser, wie und wann Technologien nützlich sein können.

Die hierfür entwickelte Website „Barcelona Digital City“ wurde in drei Teile aufgeteilt:

  • Digitale Bildung beinhaltet vor allem die Förderung wissenschaftlicher und technischer Kenntnisse von Kindern, z. B. in Form von FabLabs, bei denen jene Kollaborationskompetenzen geübt werden, die für eine innovative Nutzung neuer Technologien benötigt werden.
  • Digitale Inklusion stellt ein weiteres Schulungsangebot dar. Vincles BCN zum Beispiel hilft Senioren dabei, den Einstieg in die digitale Welt zu schaffen.
  • Digitale Rechte und Demokratie bietet digitalen Bürgern der Stadt Barcelona die Möglichkeit, Entscheidungen zu treffen. Decidim beispielsweise ist eine experimentelle, „offene, sichere und kostenlose“ Plattform für das Crowdsourcing von Ideen und zum Testen ihrer Praxistauglichkeit. Ideen, die diesen Test kollektiver Intelligenz bestehen, können in der Stadt dann mit Unterstützung der Bevölkerung umgesetzt werden.

 

Superblocks bedeuten Mobilität

Indessen werden auf der Straße ganz selbstverständlich andere Lösungen umgesetzt. Das beliebte Konzept des Superblocks soll nun auf die ganze Stadt ausgeweitet werden. Durch eine Beschränkung des Autoverkehrs in einzelnen Superblocks werden Abgase und Lärm reduziert. Gleichzeitig entsteht Platz für Kinder, Fußgänger und kleine Unternehmen.

Doch trotz Abnahme des Autoverkehrs wächst die Mobilität. Die U-Bahn-Linie 9 zum Beispiel hat intelligente Aufzüge erhalten, die zur Erfüllung des Bedarfs von Pendlern echtzeitbasierte Daten verwenden.

So wurden die Bewegungen der Aufzüge zum Vorteil der Fahrgäste optimiert: Kurz vor Einfahrt einer U-Bahn fahren sie nun automatisch auf die Bahnsteigebene. Dadurch wird die Mobilität der Fahrgäste erhöht, Gedränge reduziert und der Energieverbrauch verringert – für geschätzte 30 Millionen Fahrgäste im Jahr. Wenn das nicht intelligent ist!

 

Superblocks umfassen die virtuelle Schaffung kleiner Dörfer in großen Städten. Autoverkehr ist zulässig, jedoch nur mit geringer Geschwindigkeit und unter Beachtung anderer Beschränkungen. Da der meiste Verkehr jedoch eliminiert wird, sind auf den Straßen viele Menschen.

Öffentlich-private Zusammenarbeit bei der Entwicklung der Smart City

Privatunternehmen sind zentraler Bestandteil der Pläne von Barcelona. Als Gastgeber des jährlichen Smart City Expo World Congress arbeitet die Stadt aktiv mit Technologiegiganten wie Cisco, Philips und Schneider zusammen, um digitale Technologien zur Bewältigung urbaner Herausforderungen zu nutzen. Mit vielen Smart-City-Initiativen möchte Barcelona direkt die Chancen der digitalen Wirtschaft verbessern bzw. jene technisch versierten Mitarbeiter kreieren, die Unternehmen so dringend benötigen.

Es ist kein Zufall, dass thyssenkrupp Elevator, ein führender Anbieter im Bereich urbaner Mobilität, seine jährliche globale Leadership Conference 2018 in Barcelona abhält. Spanien war unter den Pionierländern bei der Einführung von MAX – der branchenweit ersten prädiktiven Wartungslösung auf IoT-Basis, die von thyssenkrupp entwickelt wurde. Weltweit wurden über 110.000 hochmoderne, intelligente MAX-Einheiten installiert, 24.000 davon in Spanien. Viele davon befinden sich an stark frequentierten Orten wie in der U-Bahn und am Flughafen von Barcelona. So profitieren Einheimische, Pendler und Touristen gemeinsam von den innovativen Beiträgen, die thyssenkrupp Elevator zur Smart City Barcelona leistet.

Es geht weiter in die Zukunft

Laut Juniper Research belegte Barcelona unter den Smart Cities 2017 weltweit den 2. Platz – und die Stadt hat nicht vor, sich auf ihren Lorbeeren auszuruhen.

Angesichts des Beharrens darauf, dass sich das urbane Versprechen von Technologien ausschließlich mit der sachkundigen Zustimmung und Beteiligung der Bevölkerung erfüllen lässt, und des Bestrebens, dieses Versprechen in die Realität umzusetzen, wird Barcelona auch in Zukunft zu den Vorreitern der Entwicklung von Smart Cities gehören. So wird die Stadt weiter als Inspiration für andere dienen, vor allem im spannenden Bereich der urbanen Mobilität.

Ihre Kommune hilft Ihnen dabei, die Chancen des digitalen Zeitalters zu erkennen und wahrzunehmen? Sagen Sie uns wie!