Auf der Suche nach Glück im Großstadtdschungel

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Smart Cities

Wie ist es um die Lebensqualität in Ihrer Stadt bestellt? Und wie lässt sie sich messen? Mit diesem Thema beschäftigen sich zahlreiche Studien. Überraschend ist, dass Geld nicht der ausschlaggebende Faktor ist.

Wirtschaftliches Wachstum ist ein Garant für florierende Städte und bedingt neue Bauprojekte, einen Bevölkerungsanstieg, mehr Jobs und neue Einkaufsmöglichkeiten. Doch das allein reicht nicht aus. Metropolen mit hoher Lebensqualität investieren häufig in einfache Dinge: Sie stärken das Gemeinschaftsgefühl und schaffen innovative Mobilitätskonzepte. Eine glückliche Stadt, so scheint es, benötigt eine Infrastruktur, die das elementare Bedürfnis nach menschlicher Nähe befriedigt.

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Ist Geld der Schlüssel zu urbanem Glück?

Entscheidend ist, wo das Geld investiert wird. Im 20. Jahrhundert erlebten viele Metropolen einen wirtschaftlichen Aufschwung. Umfragen und Gesundheitsstatistiken lassen jedoch darauf schließen, dass es den Menschen dadurch nicht zwangsläufig besser ging. Aktuellen Studien zufolge sind die Bewohner großer Städte sogar unglücklicher als Menschen, die woanders wohnen – trotz höherer Einkommen.

Blicken wir nach Bogotá, Kolumbien: Dort standen Auto und Wohnungsbau jahrzehntelang im Fokus der Stadtplaner. Darunter litt jedoch das öffentliche Leben in den einzelnen Vierteln. Zwar kämpft Bogotá schon lange gegen Drogenmissbrauch und Kriminalität, doch in erster Linie waren es Autoraser, Verkehrsstaus und der Mangel an öffentlichen Plätzen, welche die Leute von der Straße fernhielten.

Das änderte sich, als Enrique Peñalosa Londoño Bürgermeister wurde. Anstatt weiter Geld in autobezogene Infrastruktur zu stecken, entwickelte er einen ehrgeizigen Plan, um die Lebensqualität seiner Stadt spürbar aufzuwerten. Dazu gehörten ein weiträumiges Netz von Radwegen, neue Parks sowie Bogotás erstes Schnellbussystem TransMilenio. Auf Grundlage der menschlichen Erfahrung warf er althergebrachte Annahmen über Bord, wie Städte geplant werden sollten.

Merkmale einer glücklichen Stadt

Was urbane Lebensqualität ausmacht, ist nicht leicht in Worte zu fassen. Viele denken dabei an Jobs, Schulen, Wohnungen oder gar Shoppingmöglichkeiten. Der Bürgermeister von Bogotá erkannte jedoch, wie wichtig mehr Raum für soziale Interaktion – Sozialkapital – war. Im Mittelpunkt dieser Philosophie steht der Freiheitsgedanke, und zwar sowohl im Hinblick auf den Weg als auch das Ziel. Das heißt im Klartext: Es muss attraktive Wege geben, um von A nach B zu gelangen, und attraktive Orte, an denen man sich gerne aufhält – ob alleine oder mit anderen.

Grüne Städteplanung stellt den Menschen in den Mittelpunkt. Sie schafft Räume der Begegnung, schränkt den Autoverkehr ein (mittels Fußgängerzonen, autofreien Innenstädten oder autofreien Tagen) und ebnet den Weg für mehr öffentlich nutzbare Flächen (Parks, Sportanlagen, Stadtgärten etc.).

Dank grüner, auf den Menschen ausgerichteter Mobilität kommen Städtebewohner problemlos am Ziel an. Eine schwedische Studie zeigt, dass Menschen, die länger als 45 Minuten zur Arbeit pendeln, sich mit 40 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit scheiden lassen. Wer läuft oder Fahrrad fährt, bleibt eher von einem derartigen Schicksal verschont.

Gleichzeitig lassen sich mit modernen Technologien Zweck und Nutzen urbaner Räume spürbar ausweiten. U-Bahn-Stationen bieten beispielsweise als wesentlicher Bestandteil des städtischen Lebens nicht nur Zugang zum öffentlichen Nahverkehr, sondern zunehmend auch zu Shops, Restaurants und anderen Angeboten vor Ort. Doch das wahre Potenzial von U-Bahn-Stationen liegt darin, eine bessere Anbindung an angrenzende Gebäude zu ermöglichen. Dank innovativer Beförderungskonzepte wie MULTI kommen Menschen schneller zur Arbeit, zum Fitnessstudio oder zum Restaurant ihrer Wahl. Das ist ein schöner Gedanke.

Glückliche Städte schaffen Räume der Begegnung Glückliche Städte schaffen Räume der Begegnung
Glückliche Städte schaffen Räume der Begegnung

Wo das Glück zuhause ist

Eine Vielzahl von Umfragen und Studien beschäftigt sich mit der Frage, wo die glücklichsten Stadtbewohner zuhause sind. Seoul (Südkorea) weist nach dem Sustainable Cities Index von Arcadia die höchste Lebensqualität auf, da sich die Stadt in besonderem Maße um ihre Bürger kümmere. In der aktuellen Eurobarometer-Umfrage schneiden Oslo (Norwegen) und Zürich (Schweiz) unter den europäischen Städten am besten ab. Der Gallup-Healthways Well-Being Index stuft Naples, Florida als glücklichste US-Stadt ein.

Einige Städte führen auch Studien zur eigenen Zufriedenheit durch. So wurde die US-Stadt Santa Monica, Kalifornien, für ihren Plan ausgezeichnet, einen Index für das Wohlbefinden ihrer Bürger einzuführen. Überall loten lokale Initiativen Möglichkeiten aus, Städte so umzugestalten, dass das Glück ihrer Bewohner gemehrt wird. Ein guter Einstieg in das Thema ist das 2013 von Charles Montgomery veröffentlichte Buch „Happy City: Transforming Our Lives Through Urban Design“, das bisher nur in englischer Sprache erschienen ist.

Menschliche Mobilität ebnet den Weg zu urbanem Glück Menschliche Mobilität ebnet den Weg zu urbanem Glück
Menschliche Mobilität ebnet den Weg zu urbanem Glück

Wege zum Glück – so werden Städte smart, grün und mobil

Städte, die ihren öffentlichen Raum so gestalten, dass soziales Miteinander und flexible Mobilität im Vordergrund stehen, produzieren gesündere und zufriedenere Bürger. Dank moderner Technologien ist es einfacher denn je, smarte Mobilitätslösungen, grüne Städteplanung, demokratische Strukturen und eine handlungsfähige Verwaltung miteinander zu verbinden und jede Stadt – auch Ihre – in eine glücklichere Stadt zu verwandeln. Oder wie wir bei URBAN HUB zu sagen pflegen: Es sind Menschen, die Städte zu dem machen, was sie sind.

“Wir leben ein Experiment. Auch wenn wir nicht in der Lage sein sollten, die wirtschaftliche Situation zu verbessern, können wir eine Stadt schaffen, die Menschen ihre Würde zurückgibt und ihr Leben bereichert. Die Stadt kann sie glücklicher machen.“

Enrique Peñalosa Londoño, Bürgermeister von Bogotá (Kolumbien)

Im Video spricht der preisgekrönte Journalist Charles Montgomery über seine Arbeit an der Schnittstelle zwischen Stadtplanung und Glücksforschung.

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