Cities

Hiroo Mori über vertikale Gartenstädte in der Stadt – und Stadtplanung in Asien

Die Mori Building Company spielte eine zentrale Rolle beim Wiederaufbau und Wandel der Stadt Tokio nach dem 2. Weltkrieg. Mit einer Kombination aus Industrietechnik, modernen Ideen und einer einzigartigen Vision gelang es dem Unternehmen, neue Lösungen für Herausforderungen zu finden – mit beeindruckenden Ergebnissen. Hiroo Mori spricht mit URBAN HUB über Ideen, die das Unternehmen in japanischen sowie anderen schnell wachsenden Städten Asiens in die Praxis umgesetzt hat. Außerdem geht er auf einige der wichtigsten Faktoren ein, die über die Zukunft der Städte entscheiden werden.
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Rundum intelligent - In vielerlei Hinsicht basiert ein Smart-City-Konzept lediglich auf guter Stadtplanung, die sowohl Fortschritte in den digitalen Technologien als auch neue Denkansätze für uralte urbane Konzepte wie Beziehungen, Gemeinschaft, Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein, demokratische Beteiligung, Good Governance und Transparenz berücksichtigt.
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Erstellt am 05.09.2018

Die Idee der vertikalen Gartenstadt

Moris zentrales Entwicklungskonzept besteht aus der „vertikalen Gartenstadt.“ Die Idee ist einfach, aber elegant. In der vertikalen Gartenstadt wird die Dichte von Bewohnern, Dienstleistungen und Versorgungsanlagen in hohen Gebäuden konzentriert, sodass mehr Grünflächen zur öffentlichen Nutzung entstehen.

Auch heute noch verfügen viele wachsende Städte über weniger dichte Viertel, die kleine Grundstücke mit einstöckigen oder anderen niedrigen Gebäuden aufweisen, welche sich in ein Entwicklungsprojekt integrieren lassen. Je nach Viertel können dann ein oder mehrere Hochhäuser gebaut werden, sodass horizontale Nachbarschaften zu vertikalen Nachbarschaften werden.

 
Introduction Mr. Mori

Der Unternehmensgründer Minoru Mori war ein Visionär, der seine Ideen und Träume für Tokio sowie die Stadtentwicklung im Allgemeinen in die Praxis umgesetzt hat. Sehen Sie sich das 10-minütige Video an, um zu erfahren, was Hiroo Mori über das Leben, die Ideen und das Erbe von Minoru Mori zu sagen hat.

Gestaltung einer „Stadt in der Stadt“

Die dabei entstehende „Stadt in der Stadt“ bringt eine Umgestaltung und Neudefinition der traditionellen Nachbarschaft mit sich. Hiroo Mori berichtet: „Roppongi Hills besteht nicht nur aus einem Büroturm, sondern auch aus ca. 800 Wohneinheiten, mehr als 200 Geschäften und Restaurants, einem Museum für zeitgenössische Kunst, einem Observatorium, einem Megaplex-Kino, einem Hotel, einem Fernsehsender, einem Dining-Club für Mitglieder und sogar einer Schule.“

Bei der Entwicklung eines Projekts ist Zusammenarbeit besonders wichtig. Darum ist Vertrauen essentiell: „Vor der Errichtung von Roppongi Hills arbeitete das Unternehmen 17 Jahre lang mit rund 400 Landbesitzern zusammen. Dadurch entstand letztendlich die Anwohnervereinigung von Roppongi Hills.“

Die alte Nachbarschaft wird so zu einer neuen Nachbarschaft, die im Laufe des Prozesses sogar noch enger werden kann. „Die Bindung zwischen den Landbesitzern und dem Unternehmen gedeiht immer noch. Zwar sind seit dem ersten Treffen über 30 Jahre vergangen, doch wächst die Anwohnervereinigung weiter.“

Roppongi Hills

Stadtplanung im Überblick

Bei erfolgreicher Stadtplanung geht es darum, etwas zu schaffen, das über die gebaute Umwelt hinausgeht. Man könnte sagen, dass die Mori Building Company eigentlich keine Gebäude errichtet, sondern umfassende urbane Nachbarschaften gestaltet. Diese stellen die strukturellen Bausteine einer jeden Stadt dar.

According to Hiroo Mori, the goal is to “create cities and nurture cities.” The principle of bringing homes, workplaces, and recreation together in one Laut Hiroo Mori besteht das Ziel darin, „Städte zu erbauen und zu fördern“. Das Prinzip der Kombination von Wohnungen, Arbeitsplätzen und Erholung in einem Gebäude mit Mischnutzung schafft sichere und angenehme Orte für menschliche Begegnungen. Das fördert den Gemeinschaftssinn sowie wirtschaftliche Aktivität.

„Bereits in der Planungsphase denken wir darüber nach, wie Menschen in einer Stadt zusammenkommen, leben und arbeiten. Durch unser Stadtmanagement erhalten Bewohner verschiedene Möglichkeiten, um miteinander in Kontakt zu kommen. Stadtmanagement sorgt dafür, dass sich Menschen als Nachbarn begreifen und das Gefühl haben: ‚Hier gehöre ich hin‘.“

„Ich glaube, dass sich Städte in den kommenden 20 bis 30 Jahren weiterhin anhand drei zentraler Herausforderungen entwickeln werden: Bevölkerung, Umwelt und Technologie.“
Hiroo Mori, Director und Executive Vice President, Mori Building

Gute Planung als Wettbewerbsvorteil

Zudem leistet gute Stadtplanung einen wichtigen Beitrag zur übergeordneten Stadtentwicklungsstrategie. Ein Beispiel: „Tokio steht in einem harten internationalen Wettbewerb. Um globale Unternehmen und Kreative anzuziehen, muss Tokio seine Stärken wie wirtschaftliche Größe und Stabilität wahren und gleichzeitig Schwächen wie die Verbindungen zu anderen internationalen Städten beseitigen.“

Städte, die sich in „Wachstumsphasen“ befinden (zum Beispiel Shanghai oder Jakarta), sollten sich auf die physische Entwicklung des urbanen Raums konzentrieren. „Reife“ Städte wie Tokio hingegen sollten darauf achten, „Stadtviertel zu optimieren anstatt neue Gebäude zu errichten“.

Leuchtturmprojekte in Tokio: Das Mori-Modell ist in Tokio, der größten Megastadt der Welt, besonders verbreitet. (ARK Hills, Roppingi Hills, Omotesando Hills, Toranomon Hills)

Shanghai – ein Symbol für neue wirtschaftliche Macht

Die Firma Mori ist auch in anderen asiatischen Ländern aktiv. Sie hat unter anderem das Shanghai World Financial Center (SWFC) mit 101 Geschossen entwickelt, das kürzlich mit dem angesehenen CTBUH 10 Year Award ausgezeichnet wurde.

„Für Shanghai symbolisiert das ikonische Gebäude das neue Selbstbewusstsein der Stadt als globale Finanzmetropole sowie die Ankunft Chinas auf der Weltbühne. Durch die Kühnheit des Designs ist das Shanghai World Financial Center zu einem unverwechselbaren Merkmal der Skyline von Shanghai geworden.“

Hervorragende Konstruktionsmethoden machen dabei einen Teil des Reizes aus. Für das SWFC „wurden neueste Technologien verwendet, um bei Erdbeben und starken Winden durch eine Kombination aus drei Systemen für maximale Sicherheit zu sorgen. Dabei handelt es sich um die externe Megastruktur, die Kernwand im Zentrum sowie die Outrigger-Trägerkonstruktionen, welche die beiden Strukturen miteinander verbinden“.

Ziel war es, ein Gebäude zu errichten, das so sicher ist, dass Menschen im Notfall darin Schutz suchen – anstatt wegzulaufen. Außerdem verfügt das SWFC über hochmoderne Nachhaltigkeitsaspekte wie energiesparende Doppeldeckeraufzüge. Die vier Doppeldeckeraufzüge im Shanghai World Financial Center verbinden hohe Geschwindigkeit mit geringem Energieverbrauch.

Bevölkerungen und die Zukunft der Städte

Hiroo Mori schätzt die Vergangenheit, richtet seinen Blick jedoch stets auf die Zukunft der Städte. Menschen stehen dabei im Mittelpunkt. Im Prinzip „sind Städte Ansammlungen von Menschen. Nur wenn Bewohner in einem optimalen urbanen Umfeld leben können und Städte attraktive Orte zum Leben und Arbeiten bleiben, werden Städte auch in Zukunft erfolgreich sein.“

„Weltweit gibt es Städte, die mit den Herausforderungen einer niedrigen Geburtenrate sowie einer alternden Bevölkerung zu kämpfen haben. Sie müssen entsprechende Dienstleistungen für ältere Menschen anbieten und gleichzeitig dafür sorgen, dass sie neue Bewohner anziehen. In den nächsten Jahrzehnten werden viele japanische Städte, darunter auch Tokio, mit ähnlichen Problemen zu tun haben.“

Technologie, Transport und Stadtentwicklung

Ein anderer wichtiger Faktor, der die Zukunft der Stadtentwicklung mitbestimmen wird, ist Technologie. „Neue Technologie hat schon heute einen immensen Einfluss auf den Alltag durchschnittlicher Bürger. Städte werden sich dem anpassen und Technologien integrieren müssen, um maximalen Nutzen zu schaffen.“

„Wir erleben gerade, wie neue Formen des Arbeitens, des Transports und der Unterhaltung entstehen. Das wird Auswirkungen darauf haben, wie Menschen untereinander und mit der urbanen Umgebung interagieren. Ob durch automatisierte On-Demand-Fahrspuren oder Telekonferenzen in Außenbereichen: Der Stadtraum wird sich weiter verändern.“

Ein Beispiel: „Das seillose MULTI-Aufzugsystem ist einzigartig, da es keine Beschränkungen bei der Bewegungsrichtung der Aufzugskabine kennt. Das wird in Bauplänen mehr Variationen möglich machen.“

Mori Quote German

Neugestaltung urbaner Räume und Ideen

Erstmals kam das Mori-Modell im Japan der Nachkriegszeit zum Einsatz. Inzwischen findet es auch in China und anderen asiatischen Ländern Anwendung. In Jakarta zum Beispiel baut das Unternehmen gerade einen Neubau um einen 59-geschossigen Büroturm herum. Währenddessen wird das Konzept in Japan weiterentwickelt.

Zwar basiert es auf statischen Ideen, die praktische Umsetzung der Ideen ist jedoch hochdynamisch. Treten neue Herausforderungen und Technologien auf, wird das Mori-Modell weiter angepasst, um neue Versionen für vertikale Gartenstädte, die „Stadt in der Stadt“ und zukunftsweisende Stadtplanung zu entwickeln.