Hochbau – eine neue Perspektive für das urbane Afrika

Die Architektur von Hope City ist durch traditionelle ghanaische Häuser inspiriert
Cities
Urbanization

Seit der Jahrtausendwende sieht sich der afrikanische Kontinent überdurchschnittlichen Wachstums- und kontinuierlich hohen Urbanisierungsraten gegenüber. Schätzungen zufolge wird bis 2030 die Hälfte der afrikanischen Bevölkerung in Städten und Kleinstädten leben.

Die „Wiege der Menschheit“ ist für vieles bekannt und in vielerlei Hinsicht bemerkenswert, Wolkenkratzer gehören jedoch nicht dazu. Keines von den 100 höchsten Gebäuden der Welt ist in Afrika zu finden, und es gibt allgemein nur sehr wenige Hochhäuser dort. Das könnte sich jedoch schon bald ändern.

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Das derzeit höchste Gebäude Afrikas

Das Carlton Centre galt einst als das höchste Gebäude auf der gesamten Südhalbkugel und trägt heute noch den Titel als höchstes Gebäude Afrikas. Auf einer Höhe von 223 Metern befindet sich eine beliebte Aussichtsplattform, von der aus man eine spektakuläre Panoramaansicht genießen kann. Das 1973 erbaute 50-stöckige Wahrzeichen von Johannesburg (Südafrika) beherbergt Büroräume und ein großes Einkaufszentrum.

In Südafrika sind einige der höchsten Gebäude des Kontinents zu finden, darunter der Ponte City Tower mit einer Höhe von 173 Metern in Johannesburg. Doch die übrigen der zehn größten Hochhäuser spiegeln die Vielfalt des Kontinents wider: die Hassan-II.-Moschee in Casablanca (Marokko) mit dem höchsten Minarett der Welt in 210 Metern Höhe, das 173 Meter hohe Bahia Center im algerischen Oran, das Bürogebäude NECOM House in Lagos (Nigeria) mit einer Höhe von 160 Metern und die PSPF Commercial Twin Towers in Daressalam (Tansania), die 153 Meter in die Höhe ragen.

Das höchste Minarett der Welt in Casablanca (Afrika)
The Pinnacle Towers in Nairobi are part of a trend

Nairobi – die neue Hochhausmetropole Afrikas

Zu den Top Ten gehört auch der 163 Meter hohe UAP Old Mutual Tower in Nairobi. Das 2016 eingeweihte Gebäude ist aktuell das höchste Gebäude Kenias – doch nicht mehr lange. Der Pinnacle Towers-Komplex, dessen Fertigstellung für 2020 geplant ist, wird den ersten Mega-Wolkenkratzer (d. h. mit einer Höhe von mindestens 300 Metern) Afrikas umfassen. Somit werden dann zwei der drei höchsten Gebäude Afrikas in Nairobi stehen.

Dies ist nur die Spitze des Eisbergs: Nairobi entwickelt sich zusehends zum afrikanischen Zentrum für den Hochhausbau. Beinahe 25 Prozent aller aktuellen Hochhausprojekte in Afrika finden dort statt. Warum? Die kenianische Wirtschaft weist weiterhin ein solides Wachstum auf (Schätzungen der Weltbank zufolge 6 % im Jahr 2017), und die Grundstückspreise in Nairobi steigen – damit sind sowohl die Mittel als auch der Anreiz für neue Bauprojekte gegeben.

Kontinentalverschiebung – in die Höhe

Doch Nairobi ist kein Einzelfall; überall auf der Welt werden ehrgeizige Hochhausprojekte realisiert. Hope City in der Nähe von Accra (Ghana) ist ein architektonisch beeindruckender, aus vier Türmen bestehender Hightech-Komplex, der rund 10 Milliarden US-Dollar kosten wird und Unternehmen der Informations- und Kommunikationstechnologiebranche nach Ghana locken soll. Der höchste der Türme soll 270 Meter in die Höhe ragen.

Der Al Noor Tower Casablanca, der voraussichtlich 2018 fertiggestellt werden soll, wird 540 Meter hoch sein und soll damit allen 54 Ländern des afrikanischen Kontinents eine Ehre erweisen. In Addis Abeba hat die Commercial Bank of Ethiopia mit der Errichtung ihres 198 Meter hohen Hauptsitzes begonnen. Südafrika ist ebenfalls noch im Spiel: Sollte der Entwurf für den Komplex Centurion Symbio-City, der unter anderem einen Dachgarten und eigene Windkraftanlagen vorsieht, tatsächlich realisiert werden, wäre er mit 447 Metern mehr als doppelt so hoch wie das Carlton Centre.

Hochbauten in Afrika auf dem Vormarsch

Die Liste von Hochhausentwürfen für Afrika wird immer länger. Doch all diese Pläne werfen auch einige Fragen auf: Haben Investoren den Markt fehlinterpretiert, und sind Hochhäuser wirklich das, was afrikanische Städte jetzt brauchen? Dieselben Fragen könnten natürlich auch für jede andere Stadt auf der ganzen Welt gestellt werden. Doch eines ist sicher: Afrika wird nicht flach gehalten werden. Das urbane Afrika, genau wie andere urbane Räume weltweit, ist bereit, seine Rolle zu spielen. Seine Erwartungen sind hoch: Afrika wird in die Höhe wachsen.

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