Buildings

Gebäudeplanung und Technologie für urbanes Kommen und Gehen

Überall, wo Menschen in großen Gruppen aufeinandertreffen – an öffentlichen Plätzen, in Einkaufszentren, in Bürotürmen oder beim Einchecken am Flughafen –, müssen möglichst einfache Wege hinein und hinaus bzw. nach oben und unten Sicherheit und Komfort gewährleisten. URBAN HUB wirft einen Blick auf Gebäudekonzepte und Erfindungen, die uns helfen, im urbanen Fluss zu bleiben – von offenen Lobbys und Drehtüren bis hin zu Hightechaufzügen, Skybridges und digitalen Lösungen.
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Botschafter für städtische Nachhaltigkeit - Die Stadtplaner von heute errichten die urbanen Wahrzeichen von morgen, die die neue Botschaft von Nachhaltigkeit, grünen Entscheidungen und einem verantwortungsbewussten Lebensstil vermitteln.
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Erstellt am 18.04.2019

Bewegung verbessert das Leben in der Stadt

Gebäude wachsen in die Höhe, Stadtgrenzen erweitern sich, und die urbane Bevölkerung wächst explosionsartig an. Städte sind davon überfordert und können den urbanen Fluss kaum aufrechterhalten. Gute Gebäudegestaltung und -planung können jedoch verhindern, dass es mit steigender Bevölkerungsdichte zu eng wird, und sorgen für Bewegungsfreiheit, Stressfreiheit und Sicherheit.

Auch vor den Zeiten der Megacity wussten Stadtplaner, wie wichtig gute Gebäudekonzepte sind, um Nadelöhre, ungenutzten Raum und Gefahren zu vermeiden. Geeignete Lösungen basieren auf der Analyse der Bewegung von Menschen in Gebäuden oder stark frequentierten Stadtbereichen. Und die Kombination dieses Wissens mit Innovationen und Technologie ermöglicht einen guten „Personenstrom“.

Einfach, aber wirkungsvoll

Einige der ersten Kniffe und Erfindungen für einen unterbrechungsfreien Fluss von Menschen durch ein Gebäude sind für die meisten von uns heute selbstverständlich. Dreh- oder Pendeltüren ermöglichen beispielsweise das Betreten eines Gebäudes, ohne den Schritt zu verlangsamen.

Überlegungen bezüglich des barrierefreien Zugangs und der Sicherheit aller Gebäudenutzer brachten weiteren Entwicklungen wie Rampen hervor, die wiederum neue Ein- und Durchgänge eröffneten. Um eine einfache Evakuierung sicherzustellen, wurden vermehrt Treppenhäuser in den Eckbereichen von Gebäuden angelegt.

Neben der physischen Anlage haben Gebäudemanager auch herausgefunden, dass die schnelle Bereitstellung von Informationen einen unterbrechungsfreien Strom fördert. Ein Pförtner oder eine Empfangsperson kann Personen schnell den Weg zu ihren Zielen weisen. Auch eine gut beleuchtete Beschilderung und Markierungen auf dem Boden reduzieren Stopps und ermöglichen ein schnelleres Vorankommen.

Fokus auf den vertikalen Personenstrom

Zukunftsorientierte Gebäude basieren noch immer auf bewährten einfachen Methoden, die an moderne Gegebenheiten angepasst wurden und für einen effektiven Personenstrom sorgen. Design und Innovation mussten jedoch angesichts höherer Gebäude, mehr Menschen und vielfältiger Gebäudeumgebungen optimiert werden, in denen oft Wohnraum mit Arbeitsplätzen, öffentlichem Nahverkehr und Einkaufsmöglichkeiten kombiniert wird.

Die bahnbrechendste Erfindung zur Unterstützung des Personenstroms in Gebäuden war der Aufzug. Durch ihn mussten die Menschen nicht mehr die Treppe nehmen, und Gebäude konnten in die Höhe wachsen. Architekten wissen seine Vorteile nach wie vor zu schätzen, und man kann getrost sagen, dass der Aufzug der Schlüssel zu einer höheren Lebensqualität in dicht besiedelten Städten ist.

Keine andere Erfindung hat sich so eindrucksvoll an den Wandel in der Stadt und die wachsende urbane Bevölkerung angepasst. Was als einfache hydraulische Hubmaschine begann, hat sich als Personenaufzug zu einem Mobilitätssystem entwickelt, das für einen reibungslosen und sicheren Personenstrom in hohen Gebäuden unerlässlich ist.

Moderne Versionen wie der TWIN-Aufzug mit zwei unabhängigen Kabinen in einem Schacht sorgen heute für Platzeinsparungen und reduzieren die Wartezeiten für Fahrgäste. Noch eindrucksvoller ist der MULTI-Aufzug, der mehrere unabhängige Kabinen umfasst. Diese fahren im Kreis, ähnlich wie eine U-Bahn, und bewegen sich nicht nur nach oben und unten, sondern auch nach links und rechts und schaffen so vollkommen neue Möglichkeiten für Gebäudelayouts – genau wie der erste Aufzug vor über 100 Jahren.

Design und Technologie ergänzen sich gegenseitig

Was war zuerst da: das Gebäudekonzept oder die Technologie? Seit Anbeginn der Zeit bedingen sich die beiden gegenseitig und bringen kontinuierlich strukturelle Innovationen hervor. Technologie schafft neue Möglichkeiten für Gebäude, und Gebäudeentwürfe orientieren sich oft an neuen Erfindungen.

Das Hauptaugenmerk der ersten Gebäudeentwürfe lag hauptsächlich auf dem horizontalen Personenstrom oder der Grundrissplanung. Lösungen umfassten offene Lobbys mit verschiedenen Zugangspunkten und einer Vielzahl an „Gängen“ für Personenströme. Durch Fahrtreppen konnten Foyers über mehrere Ebenen verteilt werden, und Fahrsteige an Orten wie Flughäfen haben die horizontale Zirkulation gefördert.

Konzepte für eine vertikale Zirkulation erfordern mehr kreatives Denken. Durch die Aufzugtechnologie gelangen Menschen in Sekunden in obere Etagen, doch bestimmte Anreize können dabei helfen, dass alle Ebenen eines Gebäudes genutzt werden und Besucher sich nicht im Erdgeschoss sammeln. Eine Methode der Verteilung sind sogenannte „Stacked Anchor Destinations“, attraktive Ziele auf unterschiedlichen Ebenen, die ein Gebäude vertikal öffnen.

Ein hervorragendes Beispiel ist die Hauptniederlassung von Amorepacific, die von David Chipperfield entworfen wurde. Durch ein ausgeschnittenes Atrium auf halber Höhe entsteht eine aufsehenerregende Struktur. Kunstgalerien und Restaurants auf vier Etagen sind öffentlich zugänglich, damit das Gebäude voll und ganz genutzt wird. Mithilfe von TWIN-Aufzügen gestaltet sich das Kommen und Gehen schnell und angenehm.

Wegweisende Aufzuglösungen wie MULTI kombinieren den vertikalen und horizontalen Strom und ermöglichen so vollkommen neue Gebäudestrukturen. Der Versorgungskern eines Gebäudes muss nicht mehr gerade von oben nach unten verlaufen. Diese Aufzüge können im rechten Winkel die Richtung wechseln, ermöglichen den nahtlosen Transport über Skybridges und bieten sogar direkten Zugang zu unterirdischen Haltestellen des öffentlichen Nahverkehrs.

Ein digitaler Strom

Das Verständnis der Art und Weise sowie der Gründe für unsere Bewegung ist und bleibt die Grundlage für die Lenkung von Personenströmen. Digitalisierte Daten und Technologie haben die Planung um ein Vielfaches erleichtert. Besonders vorteilhaft sind Reaktionen in Echtzeit, ähnlich wie im Straßenverkehr.

Ein Beispiel ist MAX, das Predictive-Maintenance-System für Aufzüge. Diese Smart-Mobility-Lösung basiert auf maschinellem Lernen und ist mit dem IoT vernetzt. Sie reduziert effektiv die Ausfallzeiten von Aufzügen durch die Bereitstellung von Echtzeitdiagnosen. Das System erkennt, wann Teile voraussichtlich ausgetauscht werden müssen, und behebt so Probleme, bevor sie problematisch werden.

In Zeiten der Digitalisierung können Planer die Nutzungs- und Bewegungsmuster in Gebäuden prognostizieren – eine wesentliche Grundlage für maßgeschneiderte Anpassungen und Mobilitätslösungen wie intelligente Nachrüstungslösungen für Aufzüge. Digitalisierte Informationsquellen wie Apps und Touchscreens erfüllen zudem die Anforderungen von Besuchern besser, wenn diese das Gebäude betreten, und machen Pförtner und Empfangspersonal überflüssig. Hinzu kommt, dass Mobilitätssteuerung, Zugang und Evakuierungssysteme auf einer zentralen Plattform harmonisiert werden können.

Unsere (komfortable) urbane Zukunft

Städte sind spannende Orte, und die meisten Menschen werden zukünftig in urbanen Umgebungen wohnen, arbeiten und ihre Freizeit verbringen. Gut, dass Technologie und Gebäudeplanung ebenfalls mit der Zeit gehen und den Personenstrom durch städtische Strukturen so einfach und stressfrei wie möglich gestalten.