Buildings

Raute, Zickzack und Mikado – neue Trends im Architekturdesign

Mikado, X-Form, Rauten oder Zickzack-Muster: Jeder kennt moderne Gebäude, die Linien und eckige Bauelemente auf interessante Weise verknüpfen – ob streng organisiert oder in loser, willkürlich erscheinender Anordnung. Eine solche Formensprache kann Eingang in die Fassade oder Struktur eines Gebäudes finden. Doch wie bezeichnet man diese Elemente des Architekturdesigns, und in welche Untergruppen lassen sie sich einteilen?
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Erstellt am 09.05.2019

Verspielte Eckstrukturen und Zickzack-Linien

Architekten stellen gerne ihre Kreativität unter Beweis, indem sie sich vom Normbild rechteckiger Wolkenkratzer, quadratischer Apartmentblöcke und uniformer Reihenhäuser lösen.

Ein Ansatz liegt im Fokus auf Kurven, abgerundete Ecken und Wellenlinien. Doch auch ein eckiges Design birgt Potenzial: Viele Architekten haben in Kanten sowie Zickzack- und Rautenmustern faszinierende Ausdrucksformen gefunden.

Einige verweisen darauf, die verstorbene Stararchitektin Zaha Hadid habe einer von Linien und eckigen Elementen geprägten Formensprache zu einem Comeback verholfen. Die nachstehend vorgestellten Gebäude belegen jedoch, dass eine Vielzahl an Architekten ihren Beitrag dazu geleistet haben, traditionellen Formen eine neue, aufregende Note zu verleihen.

Rauten- oder Diamantmuster

Viele Gebäude weisen Fenster, Glasfassaden oder Strukturen auf, die einem Rauten- oder Diamantmuster nachempfunden sind. Dieses kann sowohl an flachen als auch an kurvenreichen Fassaden zum Einsatz kommen. Der italienische Architekt Massimiliano Fuksas wandte diese Technik an der Glasfassade des Frankfurter Einkaufszentrums MyZeil an, um einen linearen Kontrast zu den geschwungenen Glasstrukturen zu schaffen, die sich dramatisch um die Fahrtreppen von thyssenkrupp Elevator winden.

Die von Twelve Architects entworfene Fassade eines Universitätsgebäudes in Sheffield ist ein Paradebeispiel für die Applikation eines Rautendesigns an einem rechteckigen Gebäude. Die Fassade bedient sich des grundlegenden Diamantmusters und lockert dieses mit größeren und kleineren Diamanten auf, sodass ein hochgradig arrangiert und gleichzeitig besonders lebhaft wirkendes Gesamtbild entsteht.

The Diamond Building von Twelve Architects
The Diamond Building von Twelve Architects

X – der 24. Buchstabe des Alphabets

Die Form des X ziert eine Vielzahl an Gebäuden – und das nicht nur wegen seiner symmetrischen Schönheit, sondern auch wegen seiner strukturellen Stabilität. Der Bank of China Tower in Hongkong verfügt an jeder Außenwand über eine unterschiedliche Anzahl an X-Mustern, darunter einige der größten und höchsten X-Strukturen der Welt.

„X-Bracing“ bezeichnet einen bautechnischen Ansatz, bei dem die Gebäudelast auf die Außenwände abgeleitet wird, um die Seitenlast zu reduzieren und mehr Platz im Gebäudeinneren zu schaffen. Neben der Funktionalität kann X-Bracing auch als markantes Designmerkmal eingesetzt werden, wie etwa beim John Hancock Tower in Chicago.

Zickzack

Viele Gebäude weisen an der Fassade oder in der baulichen Struktur ein Zickzack-Muster auf. BIG Architects haben beispielsweise vor Kurzem ein Konzept für das Hotel des Horlogers im schweizerischen Dorf Le Brassus entworfen. Dort können Ski-Gäste über einen vom Dach des Hauses verlaufenden Zickzack-Abgang direkt auf die Piste fahren.

Selbst vor Wolkenkratzern macht der Zickzack-Trend nicht halt. Tour Carpe Diem im Pariser Hochhausviertel La Défense verfügt über ein hervorstechendes Zickzack-Design, das sich vom Erdgeschoss bis in den 36. Stock zieht.

Mikado – unregelmäßige, sich kreuzende Linien

Das „Mikado“-Muster besteht aus künstlerisch arrangierten Linien, die aus mancher Perspektive willkürlich erscheinen mögen – eben wie ein Haufen fallen gelassener Mikado-Stäbe. Das Design kann an der Fassade von Gebäuden eine fesselnde visuelle Wirkung entfalten und selbst das schlichteste Design aufwerten.

Mikado-Linien können auch mit Symbolik aufgeladen werden. Das Liniengeflecht auf der von Federico González Martínez gestalteten Biblioteca Pública del Estado Juan José Arreola im mexikanischen Zapopan repräsentiert die 17 noch in Mexiko gesprochenen indigenen Sprachen; hinzu kommen 5 Linien, die für inzwischen ausgestorbene Sprachen stehen.

Das Muster ist jedoch nicht auf Fassaden beschränkt; auch der dreidimensionale Raum innerhalb von Gebäuden kann dem Mikado-Look nachempfunden sein. Beispielhaft dafür steht das Tel Aviv Museum of Art, das mit einem erfrischend neuen Ansatz für Linien- und Raumdesign im Interior-Bereich daherkommt.

Hervorragende Bauelemente

Immer mehr Gebäude bedienen sich dramatischer geometrischer Elemente, die in den freien Raum oder gen Himmel ragen. Sie bieten etwa am Gebäudeeingang Schutz vor Regen oder Sonne, und manchmal streben sie in die Höhe oder durchstoßen gar die Wolkendecke.

Spitzbalkone befinden sich auf der Vorderseite der VM Houses von BIG und JDS in Orestad, Dänemark, während das Vordach des Kilden Performing Arts Center von ALA Architects in Kristiansand, Norwegen, die Gäste mit einem Aufsehen erregenden goldenen Vordach begrüßt.

Das vielleicht aufregendste Beispiel dieser Kategorie ist der vertikale Erweiterungsbau des neuen Port House in Antwerpen von Zaha Hadid, der 2016 nach ihrem Tod fertig gestellt wurde.

Zickzack mit Struktur

Die anspruchsvollsten Entwürfe finden sich in Gebäuden, deren Bauelemente sich kreuzen oder überlappen. The Interlace in Singapur ist ein preisgekröntes Beispiel für diese architektonische Spielart. Gebäude wie diese, die keinen einzigen geraden Gebäudekern aufweisen, sind ideal geeignet für ein MULTI-System, bei dem mehrere Kabinen sowohl vertikal als auch horizontal betrieben werden können.

The Interlace von OMA und Ole Scheeren
The Interlace von OMA und Ole Scheeren

Die Cross Towers von BIG in Seoul sind ein eindrucksvolles Beispiel für imposante Baustrukturen, die sich in der Höhe kreuzen. Das Projekt ähnelt einer kleinen Version des Konzepts der Hängenden Stadt von Kostas Poulopoulos. Die Würfelhäuser in Rotterdam von Piet Blom scheinen sich zu verbinden und bilden eine zickzackförmige Dachlinie, während sie auf Stelzen sitzen. Und im Innern des von Zaha Hadid Architects aus der Taufe gehobenen Dominion Office Building in Moskau, Russland, finden sich Treppen, die sich innerhalb des Atriums kreuzen.

Image Credits:

The Diamond, University of Sheffield, photo by John Robinson, taken from flickr.com 

HK Bank of China Tower, photo by unknown, taken from wikimedia commons.org

John Hancock Tower Chicago, photo by PaulVIF, taken from wikipedia.org

Barcelona – Hotel Arts, photo by unknown, taken from wikimedia commons.org

Tel Aviv Art Museum, photo by Aleksandr Zykov, taken from wikimedia commons.org

John Hancock Center, photo by unknown, taken from wikimedia commons.org

Diagonal Zero Zero, photo by unknown, taken from wikimedia commons.org

Barcelona – Torre Diagonal ZeroZero, photo by unknown, taken from wikimedia commons.org 

Jimbocho theater, photo by unknown, taken from wikimedia commons.org 

VM House, photo by unknown, taken from wikimedia commons.org

Royal Ontario Museum, photo by Aviad2001, taken from wikipedia.org

Havenhuis Antwerpen, photo by Torsade de Pointes, taken from wikipedia.org