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Spektakuläre Architektur: Was macht diese 10 Anwärter auf den CTBUH Award so besonders?

Die zehn unten aufgelisteten Gebäude sind alle auf eine gewisse Art und Weise außergewöhnlich, sei es im Hinblick auf ihre Optik, ihre Originalität oder ihr intelligentes Design. Eines haben sie jedoch alle gemein: Jedes von ihnen wurde für den Award des Council on Tall Buildings and Urban Habitat (CTBUH) nominiert, der auf der Tall + Urban Innovation Conference verliehen wird. Doch was genau macht diese Bauten so besonders?
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Botschafter für städtische Nachhaltigkeit - Die Stadtplaner von heute errichten die urbanen Wahrzeichen von morgen, die die neue Botschaft von Nachhaltigkeit, grünen Entscheidungen und einem verantwortungsbewussten Lebensstil vermitteln.
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Erstellt am 30.05.2018

Marina One, Singapur

Vier auf Gemischtnutzung ausgerichtete Wolkenkratzer umschließen ein „Grünes Herz“: ein öffentlicher Raum, der sich über mehrere Ebenen erstreckt und eine Fülle von tropischen Pflanzen beherbergt. Der Komplex in Singapur wurde in Zusammenarbeit von ingenhoven architects und den Landschaftsarchitekten Gustafson Porter + Bowman entworfen und vereint Wohnen und Arbeiten in einer hochverdichteten Umgebung, die gleichzeitig von einer großen Nähe zur Natur geprägt ist.

Im Zentrum des Bauwerks befindet sich eine grüne Oase der Ruhe.

Lotte World Tower, Seoul, Südkorea

Dieser 555 Meter hohe Wolkenkratzer mit 123 Stockwerken läuft ebenfalls spitz zu – hier jedoch zur Spitze hin – und ist eines der höchsten Gebäude Südkoreas sowie eines der höchsten zehn Gebäude der Welt. Kohn Pedersen Fox Associates (KPF) hat sich von traditioneller koreanischer Kunst wie Porzellan, Kalligrafie und Keramik zu diesem atemberaubenden Gebäude mit Mischnutzung inspirieren lassen. Es ist mit Solar- und Windkraftanlagen sowie Wasserrückgewinnungssystemen ausgestattet und verfügt über die höchste gläserne Aussichtsplattform der Welt – in einem halben Kilometer Höhe!

Brock Commons Tallwood House, Vancouver, Kanada

Das unglaubliche Geheimnis dieses 53 Meter hohen Studentenwohnheims ist recht simpel: Es besteht aus Holz. Zwar nicht komplett, denn einige Teile wie das Fundament oder der Aufzugkern sind aus Beton gegossen. Für dieses außergewöhnliche Bauwerk wurden jedoch Bodenplatten aus fünffachem Brettsperrholz (BSP) verwendet, gestützt von Säulen aus Brettschichtholz mit vorgefertigten Stahlverbindungen. Wie es sich für ein Universitätsgebäude gehört, wurden Sensoren integriert, die das Schwindverhalten und die Feuchtigkeit im Brettsperrholz sowie die Belastung durch Wind und seismische Wellen messen. Das von Acton Ostry Architects (AOA) entworfene Projekt ist aktuell das höchste aus Holzwerkstoff erbaute Gebäude der Welt.

Shanghai World Financial Center, Shanghai, China  

Dieses 494,3 Meter hohe Gebäude ist seit seiner Eröffnung im Jahr 2007 ein Wahrzeichen von Shanghai. Das auf Mischnutzung ausgelegte Gebäude, das ebenfalls von KPF entworfen wurde, ist auch heute noch eine Inspiration für Bauunternehmer. Sein unverkennbares Design ist durch diverse Elemente geprägt, die zum Schutz vor seitlicher Belastung durch Stürme oder Erdbeben beitragen. Dazu gehören ein großes trapezförmiges Portal nahe der Spitze zur Verringerung der Windbelastung, zwei Massedämpfer im 90. Stock zum Auffangen von Bodenschwingungen sowie ein dickes Betonfundament mit mehr als 2.000 Stahlpfählen, die das Gebäude 80 Meter tief im Boden verankern. Die 97. Etage (Teil der 6-stöckigen Aussichtsebene) erinnert an eine Skybridge mit Glasdach und ist über 44 Doppeldeckeraufzüge erreichbar – die weltweit schnellsten ihrer Art.

Eine Stadt in einer Stadt – die den Himmel und die Erde verbindet.

56 Leonard Street, New York City, USA

Laut den Architekten Herzog & de Meuron ist dieses 250 Meter hohe Gebäude „ein vertikaler glasgewordener Ausdruck von geformten Oberflächen, Kragträgern und funkelndem Glas“. Bei dem 57-stöckigen Bauwerk wurden unterschiedlich große Etagen versetzt aufeinander gebaut, und in den Fuß des Turms wurde eine Skulptur integriert, die speziell für dieses Projekt beim Bildhauer Anish Kapoor in Auftrag gegeben wurde. Die wortwörtlich hervorragenden Stockwerke wirken wie aufeinandergestapelte, verschachtelte Bauklötze – wie beim Geschicklichkeitsspiel „Jenga“.

Der spektakuläre Luxus-Wohnturm in Tribeca, NYC.

150 N. Riverside, Chicago, USA

Viele Jahre lang galt die brache Fläche, die zwischen dem Chicago River, Straßen und Schienenanlagen eingeengt ist, als „nicht entwickelbar“. Die in Chicago ansässigen Architekten von Goettsch Partners und ihre Ingenieure von Magnusson Klemencic Associates fanden jedoch eine interessante Lösung: Sie konstruierten einen 54-stöckigen Wolkenkratzer, der zum Fuß des Gebäudes hin spitz zuläuft, sodass er nur eine außerordentlich kleine Grundfläche aufweist. Das einzigartige Gebäude, das mit LEED-Gold ausgezeichnet wurde und einige besondere Struktur- und Designelemente aufweist, lässt außerdem noch Raum für einen neuen Park und eine Promenade entlang des Flussufers – daher trägt das Gebäude auch den Spitznamen „The Tuning Fork“ (zu Dt.: „Stimmgabel“).

Ein Gebäude, das durch ein absolut spektakuläres Design besticht.

Tencent Seafront Towers, Shenzhen, China

Bei diesem von NBBJ entworfenen Gebäude werden zwei Türme (39-stöckig und 50-stöckig) durch drei mehrstöckige Skybridges miteinander verbunden. Das Gebäude wird primär vom Internetriesen Tencent als globaler Hauptsitz genutzt, und das spiegelt sich auch in seinem Design wider. Es wurde viel Wert auf leichte Fortbewegung und Konnektivität gelegt, und man hat nicht an Annehmlichkeiten für die Mitarbeiter des Unternehmens gespart: Es gibt einen Basketballplatz, eine Laufstrecke, ein Schwimmbad und Dachgärten. Außerdem werden Energiespartechnologien eingesetzt, die helfen, den CO2-Ausstoß und Energieverbrauch um 40 Prozent zu senken.

Der Plan: Das Horizontale mit dem Vertikalen verbinden.

Chaoyang Park Plaza Complex, Peking, China

Diese zwei asymmetrischen Bürotürme lassen die Grenzen zwischen Natürlichem und Künstlichem verschmelzen und bilden das Herzstück eines großen Gebäudekomplexes am Rande des Chaoyang Park, dem „Central Park“ von Peking.

Die von MAD Architects entworfenen Gebäude mit 26 bzw. 27 Etagen sollen an die Furchen auf der Oberfläche von Felsgestein erinnern und sind von traditionellen chinesischen Landschaftsmalereien inspiriert. Diese Streifenstruktur sieht aber nicht nur spektakulär aus, sondern ist auch Teil eines energieeffizienten Belüftungs- und Filtersystems, das unter anderem dazu beigetragen hat, dass die Gebäude mit LEED-Gold ausgezeichnet wurden.

Dem Ruf der Natur wird durch neue Technologie und innovatives Design gefolgt.

Oasia Hotel Downtown, Singapur

Der von WOHA kreierte „Living Tower“ verfügt über eine Gitterverkleidung aus rotem Aluminium, die die gesamte Fassade mit 21 verschiedenen Pflanzen- und Blumenarten bedeckt. Die vier strukturellen Kerne wurden in die Ecken des Gebäudes abgedrängt, wobei größere Flächen offen gelassen wurden, um noch mehr biologische Vielfalt und natürliche Belüftung im Gebäudeinneren sowie vier zu den Seiten hin offene Dachgärten zu ermöglichen. In dem 190,15 Meter hohen Turm sind Büroräume und Hotelzimmer untergebracht, in den unteren Stockwerken befinden sich öffentliche Räume. Das Design spiegelt die besonderen klimatischen Verhältnisse Singapurs wider und präsentiert ein neues Modell für Hochhausarchitektur in tropischen Regionen.

Die Saat für ein neues Architekturmodell in tropischen Regionen ist gesät.

Das im 3D-Druckverfahren errichtete „Office of the Future“, Dubai, Vereinigte Arabische Emirate

Es ist zwar kein riesiger Wolkenkratzer, wie man sie normalweise in Dubai findet, aber für ein Gebäude, das aus dem Drucker stammt, ist es doch sehr beeindruckend. Der größte 3D-Drucker der Welt (6 Meter hoch, 37 Meter lang, 12 Meter breit) nutzte ein additives Fertigungsverfahren zur Herstellung der Bauelemente aus Beton. Das Ganze dauerte 17 Tage, plus zwei weitere Tage für den Zusammenbau. Das Ergebnis: eine Innenfläche von 250 Quadratmetern und „das erste voll funktionsfähige Gebäude aus dem 3D-Drucker“. An dem Projekt waren mehrere Designfirmen beteiligt, darunter Syska Hennessy, Gensler, Thornton Tomasetti und Killa Design.

Das Ergebnis additiver Bauverfahren kann in Dubai begutachtet werden.

Wer kürt die Gewinner?

Für den CTBUH Award werden Projekte und Personen nominiert, die einen außergewöhnlichen Beitrag zum Fortschritt im Bereich Hochhausbau und Stadtentwicklung geleistet haben und für Nachhaltigkeit auf höchster und breitester Ebene sorgen. In anderen Worten: Sie alle sind besonders. Die Gebäude, die in diesem Artikel vorgestellt wurden, geben lediglich einen kleinen Einblick.

Es werden aber nicht nur Gebäude ausgezeichnet. Es werden auch Produkte nominiert, die die Sicherheit oder Nachhaltigkeit von Gebäuden verbessern und neue Möglichkeiten im Bereich der Architektur eröffnen. MULTI wurde beispielsweise in der Kategorie „Innovation“ nominiert, wegen seiner platz- und energiesparenden Eigenschaften und seiner einzigartigen Linearmotortechnologie, dank der sich mehrere Kabinen in einem einzigen Schacht sowohl in vertikaler als auch horizontaler Richtung bewegen können – und das ganz ohne Kabel.

Die CTBUH Awards werden im Mai 2018 verliehen. Wir wünschen allen Nominierten viel Glück!

Image Credits:

American Cooper Building, credit to Max Touhey

Marina One, photo by HGEsch, Hennef, credit to Ingenhoven Architects

Lotte World Tower, photo by efired, taken from istock.com

Brock Commons Tallwood House, video by naturally:wood

Shanghai World Financial Center 1, photo by Gerbil, taken from commons.wikimedia.com, some rights reserved

Shanghai World Financial Center 2, photo by Ferox Seneca, taken from commons.wikimedia.com

Shanghai World Financial Center 3, photo by Ferox Seneca, taken from commons.media.com

56 Leonard Street, credit to Alexico Group

150 N. Riverside 1, photo by Tom Rossiter Photography, credit to Goettsch Partners, Inc. 

150 N. Riverside 2, photo by Tom Rossiter Photography, credit to Goettsch Partners, Inc. 

150 N. Riverside 3, photo by James Florio Photography, credit to Goettsch Partners, Inc. 

150 N. Riverside 4, photo by Tom Rossiter Photography, credit to Goettsch Partners, Inc. 

150 N. Riverside 5, photo by Lester Ali Photography, credit to Goettsch Partners, Inc. 

Tencent Seafront Tower, video by nbbjdesign

Chaoyang Park Plaza Complex, photo by Hufton + Crow

Oasia Hotel Downtown, video by WOHA Architects

“Office of the Future“ 3D Printed Building, photo by WAM, credit to Killa Design